Institute Start Page

 

 

Erwin Heerich

Zeichner, Bildhauer, Lehrer

1922 - 2004

 

 

 

 

1922 in Kassel geboren; dort Kindheit und Schulbesuch (Kunstgewerbeschule) bis zum Kriegsdienst 1941;

 

1945 nach mehrfacher Verwundung entlassen;

 

Aufnahme des künstlerischen Studiums: von 1945 -1950 Besuch der Kunstakademie Düsseldorf in der Bildhauerklasse Ewald Mataré, ab 1950 – 1954 dort Meisteratelier und Beginn der selbstständigen künstlerischen Arbeit; erste Kartonplastik und Zeichnungen isometrischer Darstellung;

 

1950 Heirat mit Hildegard Müller; 4 Kinder;

 

1954 Abgang von der Akademie und freiberufliche künstlerische Tätigkeit; erste Lehrtätigkeit;

 

1957 Assistent von Mataré in der Sommerakademie von Oskar Kokoschka in Salzburg;

 

ab 1959 Kartonplastiken und Zeichnungen , Drucke und Grafiken im freien Bereich isometrischer Gesetzmäßigkeit;

 

1961 Lehrtätigkeit am Seminar für werktätige Erziehung in Düsseldorf;

 

1969 Berufung an die Kunstakademie Düsseldorf, dort Professor bis zur Emeritierung 1988;

 

2004 Erwin Heerich stirbt in Meerbusch-Osterath

 

Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland; Versuche der Vermittlung eigener Erfahrungen und Einsichten in Wort- und Bildform:

In diesen Veröffentlichungen konzentriert sich sein Bemühen im zeichnerischen und plastischen Medienbereich, den morphologischen Bogen einer weitgehend vorobjektivierten Formensprache zu gewinnen, der subjektive Vorstellungen und Empfindungen zur verständlichen Mitteilung werden lässt.

 

1974 Mitglied der Akademie der Künste Berlin;

 

1978 Will Grohmann Preis Berlin;

 

seit 1980 Beginn der Planung der Bauten der Museumsinsel Hombroich bei Neuss;

zahlreiche plastische Arbeiten im öffentlichen Raum;

 

1987 Max Beckmann Preis der Stadt Frankfurt;

 

1995 Anton Stankowski Preis;

 

 

 

 

Heerichs formales und handwerklich-technisches Anliegen ist Objektivierung. Es gibt nicht Skizzen, sondern Planzeichnungen, nicht Improvisationen, sondern Messungen. Exakte Maße liegen den Figuren selbst zugrunde, sie werden dem Plane nachgebaut. Dieser ist so unmissdeutbar, dass auch ein an der Erfindung unbeteiligter Handwerker die einzelnen Teile vorfertigen, etwa aus Stahl drehen oder aus Holz sägen und hobeln und sie dann mit Schrauben oder Dübeln zur Gesamtfigur zusammenfügen kann. Es ist möglich, sie nachzubauen, sie in Serie herzustellen, es ist auch möglich, nach einem Plan, den Maßstab ändernd, Ausfertigungen verschiedener Größe zu verwirklichen. Kein Vibrieren von Gefühlen also, nicht die sensitive Hand, die sich in den Unebenheiten empfindungsbedingter Kunstwerke verrät, sondern eine zwar nicht weniger sensible, doch zugleich unerbittliche, die in stets erneuter Prüfung der Oberfläche jeden Makel aufspürt und mit sich fortgenommen hat.“

Franz Joseph v. d. Grinten im Katalog ‚Erwin Heerich’ 1964

 

„Die von Heerich unablässig begangenen Wege der Objektivierung seiner Bildwelt und ihrer jeweils zustande gebrachten Ausformung bewahren in den sehr internen Auswahlkriterien der Gruppierung ein höchst fruchtbares subjektives Element.“

Hans v. d. Grinten in ‚E. HeerichBd 1 – Arbeiten auf Papier’

 

„Es liegt nicht in der Natur des Plastikers Erwin Heerich, Grundsätzliches und Einfaches in einer kunstvollen Lebensform untrennbar zu verbinden. Ausgedachtes und Gehandhabtes behalten ihren Eigenwert. Nüchtern – wenn auch mit angespannter Erwartung und innerer Genugtuung verbunden – entfaltet Erwin Heerich Wahrnehmungsform auf Wahrnehmungsform aus dem einmal gefassten Vorsatz heraus. Was in der Natur automatisch und zäsurlos geschieht, wird hier in abgemessenen Schritten zu denkbar klaren Einzelergebnissen gebracht. Die Kartonplastiken haben einerseits ihren Sinn in der zeitlich begrenzten Maßnahme, andererseits in der unerschöpflichen Idee der Vielfalt, die hier in selbstsicheren und wiederholbaren Ausprägungen zur Anschauung gelangt.“

Gerhard Storck in ‚E. HeerichBd 2 – Arbeiten aus Karton’

 

Heerichs Arbeiten bleiben immer auf sich selbst bezogen. Sie ranken sich nicht an einer Erzählung hoch, die ihr Thema von außen erhält, sondern sie entwickeln sich aus einer inneren Logik, in vorgeplanten, folgerichtigen Schritten. Der ihnen zugrunde liegende Denkansatz ist zutiefst im Architektonischen beheimatet, und es nimmt daher nicht wunder, dass sie sich alle in Definitionen vom ‚Raum’ vollenden: im Zweidimensionalen aus zeichnerischen Prozessen heraus, im Dreidimensionalen durch Bau- und Konstruktionsvorgänge“.

Johannes Cladders in ‚E. HeerichBd 3 – Arbeiten im Raum’

 

„Das Werk von Erwin Heerich hebt die gattungsmäßige Trennung zwischen Skulptur und Architektur auf. Skulpturen, zunächst in handlichen Modellen entwickelt, sprengen die herkömmliche Maßstäblichkeit, werden begehbar. Architekturen sind vor jedem Gebrauch zuerst skulptural gestaltete Körper. Die Kluft zwischen Gestalt und Funktion ist hier überwunden. In der logisch entwickelten Gestalt ist auch das praktische Funktionieren gewährleistet. Als Denk- und Anschauungsmodell führen die Skulpturen Heerichs das Schöne und das Praktikable untrennbar zusammen. … Zwar illustrieren Heerichs Skulpturen und Bauten keine Philosophie. Sie sind aber durchaus Haus für metaphysische Durchmessung von Kunst und Leben.“

Stephan von Wiese im Katalogbuch ‚Erwin Heerich’ 1995

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wandbild (Tusche) von Erwin Heerich im Institut für bildnerisches Denken, 2003